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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Aktuelles ! Was ist heute passiert ?
Gerhard46 Offline

Moderator
Beiträge: 3.783


15.07.2011 12:45
Beschwerdebrief an die Griechen Zitat · antworten

Ein Beschwerdebrief von Stern-Autor WALTER WÜLLENWEBER

Liebe Griechen!

Kennt Ihr das bei Euch auch, eine Tante, die einem die ganze Kindheit und
Jugend hindurch das Sparschwein füttert? Beim ersten Fahrrad, dem ersten
Radio, der ersten Urlaubsreise -
immer gibt sie ein paar Scheine dazu.
Und dafür verlangt sie nichts weiter als ab und zu mal ein freundliches
Dankeschön.
Liebe Freunde, dies ist ein Brief von Eurer Geldtante.
Keine Angst, Ihr müsst nicht Danke sagen. Das Einzige, was wir uns wünschen,
ist: Versetzt Euch mal in unsere Lage.

Seit 1981, seit 29 Jahren, gehören wir zur selben Familie, zur EU. Kein anderes
Familienmitglied hat in dieser Zeit so viel Geld in die Gemeinschaftskasse
gesteckt wie wir, nämlich netto rund 200 Milliarden Euro.
Und pro Nase hat kaum einer so viel bekommen wie Ihr, zusammen netto fast
100 Milliarden.
Rund die Hälfte also von dem, was wir in den EUTopf gekippt haben, habt Ihr
mit großer Kelle abgeschöpft.
Oder anders ausgedrückt: Rein rechnerisch haben wir Deutschen mit den Jahren
jedem von Euch Griechen, vom Säugling bis zum Greis, über 9000 Euro
geschenkt. Einfach so. War doch nett, oder?
Freiwillig hat wohl noch nie ein Volk ein anderes über einen so langen
Zeitraum so großzügig unterstützt Ihr seid fürwahr unsere teuersten Freunde.

Wie es uns dabei ging, in all den Jahren, das habt Ihr nie gefragt. Ich vermute
auch heute brennt Ihr nicht gerade darauf, etwas über unsere Sorgen zu erfahren.
brennt Ihr nicht gerade darauf, etwas über unsere Sorgen zu erfahren.
Ich erzähl Euch was.
Unsere Straßen sind so löchrig wie antike Bauwerke, weil uns das Geld für
die Instandhaltung fehlt.
Bibliotheken und Schwimmbäder werden geschlossen.
Manche Städte schalten nachts jede zweite Straßenlaterne aus, weil sie die
Stromrechnung nicht bezahlen können.
Im Gegensatz zu Euren steigen unsere Löhne seit der Einführung des Euros
praktisch gar nicht mehr.
Und jetzt sollen wir auch noch Euch Griechen retten.
Die Sorgen um Euch, die haben uns gerade noch gefehlt.

Ihr habt Euch unser Misstrauen redlich verdient: Im Sommer fackelt Ihr regel
mäßig dieses schöne Land ab, das Gott Euch geschenkt hat.
Und dann ruft Ihr nach unserer Feuerwehr, weil Ihr es nicht allein gelöscht kriegt.
Ihr wollt alle in den öffentlichen Dienst, aber keiner will Steuern zahlen.
Wenn auch nur ein Teil der Berichte stimmt, die wir in den vergangenen
Wochen lesen mussten, dann seid Ihr offenbar nur bereit zu arbeiten, wenn
Ihr dafür Schmiergeld bekommt.
Vor allem Eure Ärzte und das Krankenhauspersonal langen kräftig zu.
Ihr betrügt Euch also gegenseitig, wo Ihr nur könnt. Das kann uns egal sein.
Doch Ihr betrügt auch uns. Seit vielen Jahren. Das ist uns nicht egal.

Ihr kassiert für mehr Olivenbäume EU-Subventionen, als in Euer Land passen.
Offenbar versteht Ihr doch was von Buchführung, denn um die Stabilitätskriterien für
den Euro zu erfüllen, habt Ihr Eure Bücher so systematisch und geschickt gefälscht,
das die Brüsseler nichts gemerkt haben.
In Wahrheit habt Ihr den Euro nie verdient.

Trotz Eurer erschwindelten Daten ist es Euch seit der Einführung des Euro noch nie
gelungen, die Stabilitätskriterien zu erfüllen.
Um Eure Wirtschaft größer erscheinen zu lassen, habt Ihr Euch 2006 einen hübschen
Taschenspielertrick einfallen lassen und kurzerhand die Erlöse aus Geldwäsche,
Rauschgifthandel und Schmuggel in die jährliche Wirtschaftsleistung Eurer stolzen
Nation angerechnet.

Über Jahrzehnte mehr Geld ausgeben, als man sich erarbeitet, wie selbstverständlich auf
Kosten von anderen zu leben, laufend betrügen und tricksen - das kann nicht ewig gut gehen.
Irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen. Irgendwann ist jetzt. Streng genommen
seid Ihr pleite.

Macht Euch keine Illusionen. Wenn Angela Merkel verspricht, "Griechenland
wird nicht allein gelassen", dann geht es unserer Kanzlerin und uns
Deutschen nicht mehr um Euch Griechen.
Unsere Sorge gilt allein unserer eigenen Zukunft Das Unglück ist nur: Wir
sind an Euch gekettet.
Wenn Ihr untergeht, zieht Ihr uns mit unter Wasser. Zum Beispiel durch die
300 Milliarden Schulden, die Ihr mit den Jahren aufgetürmt habt. Rund 30
Milliarden davon gehören den Sparern bei deutschen Banken, in Form von
Staatsanleihen. Ob Ihr das jemals zurückzahlen werdet? Euretwegen geht der
Euro in die Knie.

Uns droht die Inflation. Das bedeutet: was deutsche Sparer auf dem Sparbuch
oder in Lebensversicherungen für die Zukunft zurückgelegt haben, wird immer
weniger wert. Wegen Euch.
Solche Gedanken sind Euch natürlich fremd, denn sparen oder investieren ist
nicht Euer Ding. Ihr haut die Euros lieber raus.
In der EU seid Ihr Griechen das Volk, das von seinem Geld den größten Anteil
für den Konsum verprasst.

Die Regierungschefs der EU haben zwar beschlossen, dass Ihr keine direkten
Finanzhilfen bekommen sollt. Erst mal.
Doch Ihr braucht Hilfe. Und in der EU bedeutet Hilfe am Ende immer
Geld, genauer: unser Geld.

So langsam wird uns Deutschen klar: Zuerst mussten wir die Banken retten,
jetzt müssen wir Euch Griechen retten und schließlich alle Länder mit einer
Schweinewirtschaft -die "PIIGS",
Portugal, Italien, Irland, Grieche land, Spanien.
Ein Staatsbankrott eines dieser Länder, darin sind sich die Experten
ausnahmsweise einig, wäre eine Tragödie, die selbst die Bankenkrise wie ein
Lustspiel erscheinen ließe.

Kluge deutsche Staatsrechtler haben schon vor der Einführung des Euro
gewarnt: Die Wirtschaftsunion kann ohne die politische Union nicht
funktionieren. Sie hatten recht. Jetzt erkennen wir das dramatische
Demokratie-Defizit.

Wir Deutschen sind von den Entscheidungen der Regierung Griechenlands
abhängig. Aber wir können sie nicht wählen. Ihr Griechen könnt sie wählen,
aber Ihr habt ganz andere Interessen. Wir wollen, dass Euer
Ministerpräsident Georgios Papandreou sein Sparprogramm durchzieht.
Mindestens. Besser wär's, wenn er beim Reformieren noch einen Zahn zulegte.
Aber Ihr wollt das ganz offensichtlich nicht.
Ihr macht, was Ihr immer macht: Ihr streikt. Letzte Woche der öffentliche
Dienst, nächste Woche alle, Generalstreik.

Liebe, teure Griechen, wenn Ihr nächste Woche auf die Straße geht, dann
streikt, dann demonstriert, dann protestiert Ihr nicht gegen Eure Regierung,
sondern gegen uns. Dem Zorro, der Euch stets gerettet hat und weiter retten
soll, dem versetzt Ihr einen Tritt zwischen die Knie.

Liebe griechische Finanzbeamte, geht nächste Woche bitte nicht streiken,
sondern treibt endlich mal die Steuern Eurer Millionäre ein, von denen Ihr
bislang fürs Wegschauen so fürstlich entlohnt werdet.

Liebe griechische Ärzte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern
behandelt Eure Patienten.
Von jetzt an, ohne vorher um einen Geldumschlag zu bitten. Und dann
versteuert einfach Euer Einkommen.
Ja, dann könnt Ihr Euch den nächsten Porsche erst ein Jahr später bestellen.
Ihr werdet es überleben.

Liebe Rentner Griechenlands, wenn bei uns jemand sein ganzes Leben lang
gearbeitet hat, bekommt er nicht mal 40 Prozent seines durchschnittlichen
Einkommens als Rente. Damit sind wir auf dem viertletzten Platz der
OECD-Länder. Und wer ist auf Platz eins? Richtig: Ihr.
Über 95 Prozent Eures durchschnittlichen Einkommens gönnt Ihr Euch als Rente
Um das hinzukriegen, greift Ihr wieder in die Trickkiste: Ihr bezieht
einfach die Rentenhöhe nicht aufs ganze Leben, sondern nur auf die letzten
drei bis fünf Arbeitsjahre. Darum ist es bei Euch üblich, dass der
Arbeitgeber den Lohn am Ende noch mal kräftig erhöht Von dem Geld, mit dem
wir Euch fast 30 Jahre lang gesponsert haben, gönnt Ihr Euch eine
komfortablere Altersversorgung, als wir uns leisten können.
Findet Ihr das gerecht? Also, liebe Rentner in Griechenland: Ihr seid die
Generation, die diese Misere verursacht hat.
Jetzt haltet mal die Füße still, geht nicht demonstrieren, und lasst Eure
Regierung die Sparpläne durchziehen.

Und, liebe Bürger Griechenlands, redet Euch nicht damit heraus, Eure
Politiker seien allein schuld an der Katastrophe.
Ihr habt doch die Demokratie erfunden und solltet wissen, dass Ihr, das Volk
regiert und damit verantwortlich seid.
Niemand zwingt Euch, Steuern zu hinterziehen, Schmiergelder anzunehmen,
gegen jede vernünftige Politik zu streiken und korrupte Politiker zu wählen
Politiker sind Populisten. Die machen genau, was Ihr wollt. Sicher werdet
Ihr jetzt einwenden:
Ihr Deutschen, Ihr seid doch auch nicht viel besser. Stimmt. Ein
Rentensystem, dem kaum einer noch traut, Beamtenpensionen, von denen niemand
weiß, wie sie in der Zukunft bezahlt werden sollen, ein Steuersystem, das so
aussieht, als hätten
erfahrene Hinterzieher es sich ausgedacht, und vor allem ein Schuldenberg,
der irgendwann ins Rutschen gerät und alles unter sich begräbt -genau diese
Probleme haben wir auch.

Und Ihr seid uns auf diesem Pfad der Untugend nicht so weit voraus, wie
viele glauben. Früher habt Ihr Griechen uns den Weg gewiesen, habt der Welt
die Demokratie, die Philosophie und das erste Verständnis für
Nationalökonomie beigebracht.
Jetzt weist Ihr uns wieder den Weg. Nur ist es diesmal der Irrweg. Da, wo
Ihr seid, geht's nicht weiter.

Herzliche Grüße,
Walter Wüllenweber



Liebe Grüße Gerhard



Elke Offline

7-Zwerge-Hüterin
Beiträge: 16.575


16.07.2011 02:22
#2 RE: Beschwerdebrief an die Griechen Zitat · antworten

Damit hat dieser Autor wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Nur dafür kann auch kein griechischer Bürger was, Schuld allein trägt nur die Regierung.

Zitat
Kluge deutsche Staatsrechtler haben schon vor der Einführung des Euro
gewarnt: Die Wirtschaftsunion kann ohne die politische Union nicht
funktionieren. Sie hatten recht. Jetzt erkennen wir das dramatische
Demokratie-Defizit.



Ehrlich gesagt tragen aber alle Regierungen eine Mitschuld. Denn das ist ein wichtiges Zitat aus dem Beschwerdebrief. Die meisten Menschen haben wohl schon vor der Einführung des Euros gewusst, dass eine Wirtschaftsunion ohne politische Union nicht funktionieren kann. Es könnten sich doch auch keine 10 Firmen zusammenschließen, wovon jeder in andere Richtungen marschiert. Dieses Wissen will keine Regierung gehabt haben?

Eine gemeinsame Währung bedeutet auch den gemeinsamen Untergang. Im Grunde gibt es nur 2 Möglichkeiten - entweder man wird auch politisch eine Union oder jedes Land bekommt wieder seine eigene Währung. Die dritte Möglichkeit ist natürlich, dass man mit Hilfe des Euros und anhand solcher Schuldzuweisungen einen Staatsbankrott verschleiern will.

Aber wir leben ja im Land der vielen Staatsdiener und da bewahrheitet sich mal wieder, dass viele Köche den Brei verderben. Dieses geistlose Chaos gleicht eher einem Sandkastenspiel, als klaren Linien, die ein Land normal braucht. Das fängt schon mir dem miserablen Schulsystem an, worüber ich mich schon seit Jahren ärgere, das geht weiter mit den absolut sinnlosen Eingemeindungen der Städte bis eben zu einer europäischen Wirtschaftsunion, die kein Bürger gewollt hat.

Und auch hierzulande werden viel zu viele Gelder sinnlos verschleudert. Warum konnte die Polizei nicht weiterhin grün tragen, was war so wichtig oder was ist daran besser, dass jetzt alles blau ist? Die Kosten für die neuen Uniformen, Autodrucke usw. möchte ich nicht wissen. Arbeitet das heutige "Jobcenter" wirklich besser als das damalige Arbeitsamt bzw. die spätere "Arge"? Die Kosten für Änderungen der Software, der Werbeschilder usw. möchte ich auch nicht wissen.

Man wirft den Griechen vor, dass sie nicht rechnen können, aber die Deutschen sind nicht besser. Jede Firma, die so mit den Geldern umgehen würde, wär schon längst pleite. Genauso wenig wie wir deutschen Bürger etwas dafür können, können auch die griechischen Bürger was dafür.

Stellt euch mal vor, vor ein paar Tagen habe ich im Radio gehört, dass man mit höheren Löhnen westdeutsche Kriminalbeamte in den Osten locken will. Ich habe echt gedacht, ich spinne. Die Wende ist 21 Jahre her. Die Menschen, die heute voll im Berufsleben stehen und als guter Kriminalbeamter in Frage kommen, sind heute zwischen 40 und 50 Jahre alt. Zur Wendezeit waren sie 20-30 Jahre alt. Dementsprechend spielt doch Ost und West überhaupt keine Rolle mehr, die Menschen haben durch die vielen Berufsjahre die gleichen Erfahrungen. Und genau solche Dinge meine ich mit einer Witzgesellschaft, Spaßgesellschaft, Sandkastengesellschaft.

Statt so viel zu schwafeln, rumzuspielen und sich gegenseitig die Beamtenposten zuzuschustern, sollte sich lieber jedes Land seine 20 besten Prokuristen angeln, diesen eine Millionengage versprechen, wenn sie innerhalb von 3 Jahren das Land wieder auf die schwarze Zahlenspur bringen. Dafür müsste dann aber auch gründlichst aufgeräumt werden, was schon mit der Anzahl der Staatsdiener anfängt und mit einer eigenen Währung oder einer politschen europäischen Union aufhört.

Liebe Grüße
Elke



Alfons Offline


Beiträge: 568


19.07.2011 18:36
#3 RE: Beschwerdebrief an die Griechen Zitat · antworten

Gerhard, wunderbar, in verständlicher Weise dargestellt - aber unsere dekadente Politikerkaste in Berlin
- einige mit geklauten Doktor-Arbeiten - mindestens 4. oder 5. Garnitur - versteht das überhaupt nicht. Trifft sie ja auch nicht, kriegen ja dieses und nächstes Jahr 292 € mehr an Bezügen...


Mehr solcher kritischer und dennoch schön formulierter Beiträge!!!



lg Alfons

Gerhard46 Offline

Moderator
Beiträge: 3.783


22.10.2011 14:12
#4 RE: Beschwerdebrief an die Griechen Zitat · antworten



Zuerst mussten wir die Banken retten, jetzt müssen wir Euch Griechen retten und schließlich alle Länder mit einer Schweinewirtschaft - die "PIIGS", Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien.
Danke liebe Europäer, daß wir Deutschen für Euch bis 67 Jahren arbeiten dürfen, damit Ihr Euren Ruhestand weiterhin ab 55 Jahren genießen könnt!

Zu den Griechen möchte ich nur folgendes sagen:
Wer mit 50 Jahren Rente beansprucht und Steuern gerade nach Lust und Laune bezahlt
braucht sich nicht zu wundern wenn sein Land zu Grunde geht!

Wir Europäer sollen gütig verzeihen,
für griechische Finanzschwindeleien.
Sollen tatkräftig helfen mit unserem Geld,
damit man das Land am Leben erhält.

Um in die geliebte Euro-Zone zu kommen,
wurden falsche Defizitzahlen genommen.
Man hätte nur 3,7 Prozent, Reserve genug,
obwohl das Defizit schon 12 Prozent betrug.

Ein Milliarden Euro-Paket wird genommen,
um die Wirtschaft wieder hinzubekommen.
Belohnt wird hier trügerische Finanzpolitik,
damit sich Europa nicht bricht sein Genick.

Mit 211 Milliarden Euro ist Deutschland dabei,
unterstützt Hellenische Finanzschwindelei.
Hier trägt der Steuerzahler den größten Teil,
fürs geliebte Europa und Griechenlands Heil.
© Gerhard Lenz



Liebe Grüße Gerhard



Bluebell Offline


Beiträge: 490

22.10.2011 17:07
#5 RE: Beschwerdebrief an die Griechen Zitat · antworten

Hat Du das selbst gedichtet? Dann bist Du ja richtig kreativ!! Tolle Leistung- und leider alles wahr...



Viele Grüße Michaela

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