Nun musste es auch meine Gegend treffen. Ballenstedt ist ja ganz in der Nähe von mir. Die Mitarbeiterin meiner Mutti musste ihre Tochter nach dem versuchten Amoklauf aus der Schule holen. Alle Schüler wurden nach Hause geschickt. Eine Lehrerin erlitt einen Schock
Ich finde es traurig, dass ein 13-jähriges Mädchen überhaupt schon solche Rachegedanken bzw. eine psychische Erkrankung hat. In dem Alter sollte man doch noch unbeschwert seine Kindheit genießen oder pubertär rumzicken können. Die Eltern des Mädchens haben sich getrennt, also hatte sie da sicher auch keinen Rückenhalt, weil die Eltern zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Normal könnten die Schule, Freunde, Mitschüler solche Probleme auffangen. Aber dafür wurde dieses Schubladen-Schulsystem nicht gemacht. Nicht jedes Kind kommt damit klar, dass es nicht mehr zu den Besten wie in der Grundschule gehört, sondern nun eher zum Mittel- oder Schlussfeld. Viele Kinder haben auch einen ordentlichen Lerndruck durch ihr Zuhause. Durch das enorme Lernpensum fehlt es den Kindern daran, noch richtig Kind sein zu dürfen. Man kommt um 14.00 - 16.00 Uhr aus der Schule, muss Hausaufgaben machen und lernen, dann ist der Tag vorbei. Nicht umsonst passieren die Amokläufe in Gymnasien.
Mobbing ist an Schulen auch ein großes Thema, um das sich nur leider keiner kümmert. Nicht nur, dass einige Jugendliche an Arroganz kaum zu übertreffen sind, auch die Eltern schüren schon vieles. Ein "Miteinander" wird dadurch unmöglich gemacht. Als meine Nichte z. B. beim letzten Lesewettbewerb erneut gewonnen hat, ist ein anderer Vater hochgesprungen und hat gesagt, dass seine Tochter doch besser gelesen hat. Ende vom Lied war, dass meine Nichte geheult hat. Warum muss man sich als Eltern so benehmen? Man kann sich doch schon daran erfreuen, dass das eigene Kind überhaupt so gut lesen kann.
Ich bin froh, dass keinem was passiert ist. Die kleinen Brände wurden auch hochgespielt, da der Hausmeister sie ohne weiteres ja selbst löschen konnte. Das Mädchen befindet sich nun mit ihren Eltern in der Psychiatrie, die ja gleich in der Nähe ist. Sie tut mir leid, sie ist schließlich erst 13 Jahre alt - ein Kind!
Ich würde mir wünschen, dass es wieder ein einheitliches Schulsystem bis mindestens zur 9. Klasse gibt und dass die Lehrer wieder mehr auf ein Miteinander achten, Klassen stärken, sich frühzeitig um Verhaltensauffälligkeiten, Probleme (auch häusliche), Mobbing, Leistungsabfälle kümmern.
Wo soll ein Kind denn sonst Halt finden, wenn nicht bei den Eltern oder einem Lehrer?
Heute stand die Polizei inmitten der Schüler auf dem Schulhof. Fernsehsender waren auch anwesend. Es wird wohl noch dauern, bis wieder normaler Alltag einkehren kann.
Wenn das Mädchen wieder gesund werden sollte, wird ihr wohl nur der Wegzug weiterhelfen. Ich finde es schrecklich wie die Menschen denken. Viele sagen "Das kann keine Ballenstedterin sein". Was ist das für eine Aussage, damit wird ein 13-jähriges Kind ja zum Dämon gemacht. Die entscheidende Frage sollte doch wohl sein, warum ein Kind überhaupt so austicken kann, was macht die Erwachsenenwelt falsch, was könnte man besser machen.