Ist etwa schon eine ganze Gesellschaft abgestumpft, dass sie nicht merken, dass sie nicht besser handeln als Terroristen oder Diktatoren.
Ich war gestern ehrlich gesagt geschockt, als ich das Titelblatt der Bild-Zeitung von Gaddafis Tod gesehen habe. Ein richtig grausames Bild von einem toten, blutüberströmten Mann prankte da nun groß auf der Titelseite. Die Zeitschriften befinden sich in den Läden auch noch genau in Kinderaugenhöhe.
Damit werden schon Kleinkinder mit solchen Grausamkeiten konfrontiert. Es gibt viele sensible Kinder, die das vielleicht gar nicht richtig verarbeiten können. Das Bild ist meiner Meinung nach FSK 21 und gehört auf keine Titelseite. Um Spiele und Filme, die weitaus harmloser sind, macht man so ein Gewese, aber in der Berichterstattung ist alles erlaubt. Ob man so ein Bild selbst als ü21-jähriger sehen muss, sei mal dahin gestellt. Ich persönlich finde solche Bilder in den Medien pervers. Sorry, mich hat das echt sauer gemacht. Erst wurden solche Bilder und Videos von Bin Laden veröffentlicht und nun von Gaddafi. Da muss man sich schon ernsthaft fragen, ob eine Gesellschaft wirklich Freude daran haben kann?
ich denke, viele Leute wollen sich überzeugen (lassen), dass ein böser Mensch wirklich tot ist. Wenn es keine Bilder gibt, entstehen schnell Gerüchte, ob derjenige vielleicht doch noch lebt. In erster Linie waren die Bilder wohl für sein Volk wichtig und weniger für uns. Aber es stimmt schon, man sollte diese Fotos auch auf andere Art zeigen, so dass sie nicht gleich Kindern in die Hände fallen oder als Endlosschleife im Fernsehen zu sehen sind.
Gaddafi war kein Diktator, Libyen ist eine Demokratie. Er war auch nie machtbesessen, hat seine Kinder nur in kleinen Posten untergebracht. Sie waren kleine Angestellte und wurden eiskalt getötet. Menschen, die nie was mit Macht zu tun hatten bzw. nie Macht erreicht hätten. Ein Dikatator würde "seinen Job/seine Macht" weitervererben, was Gadaffi nie wollte.
Gaddafi hat 2 Fehler begangen: Er hat sich mit der westlichen Welt, besonders mit den USA angelegt - und sein Land besitzt ein riesiges Erdölvorkommen. Deswegen wurde er der "böse Diktator". Jetzt fehlen noch Syrien und danach Kuweit. Dann hat die westliche Welt ihr Erdöl.
In der afrikanischen Welt war Gadaffi sogar sehr beliebt, weil er Unabhängigkeitsbewegungen unterstützt hat, Diktatoren gestürzt hat und viele Regierungen finanziell und sozial geholfen hat.
Auch wenn es in den westlichen Medien anders dargestellt wurde, aber Gadaffi hatte ein sehr ausgeprägtes Demokratie- und Sozialbewusstsein. Sein Land ist eines der reichsten und hochentwickelten Länder Afrikas. In kaum einem anderen Land gibt es so ein gutes Sozialsystem wie in Libyen. Mit ihrem Bildungssystem liegen sie weltweit an der Spitze. Es gibt kein anderes Land mit einer vergleichbaren Frauenquote auf hohen Ämtern. Selbst Deutschland hinkt da gewaltig hinterher. Sozialversicherungen, wie Krankenversicherung und Rentenversicherung sind für alle Menschen kostenlos, d. h., jeder Mensch bekommt eine kostenlose medizinische Versorgung und Rente. Arbeitnehmer müssen gesetzlich an den Firmengewinnen beteiligt werden, deswegen ist das Sozialgefälle auch nicht so stark wie in anderen Ländern. Das alles hat Gadaffi in den Jahrzehnten seiner Amtszeit erreicht. Alle Autobahnen Libyens sind beleuchtet.
Wegen dem Bürgerkrieg seit Anfang des Jahres sagte Gaddafi, dass es Ausländer sind, die ihn in seinem Land führen. Und dagegen würde jedes Land mit Waffengewalt vorgehen.
Übrigens ist Libyen überhaupt nicht mit anderen afrikanischen Ländern zu vergleichen, wo es tatsächlich noch Diktatoren gibt und die Menschen aufs schlimmste ausgebeutet und gefoltert werden. Nur das interessiert keine westliche Welt, weil diese Länder kein Erdöl und kein Geld besitzen.
Das über Jahrzehnte perfekte Sozialsystem Gadaffis wird wohl nun mit einer neuen Regierung auch der Vergangenheit angehören. Jetzt kommen die, die das Geld und das Öl haben wollen.
Ja, selbst wenn er so ein skrupeloser Diktator gewesen wäre, wie man ihn in den westlichen Medien genannt und über ihn berichtet hat, darf man sich mit solchen Verbrechern nie auf eine Stufe stellen - denn eine veröffentlichtes Bild eines Toten ist eine Gewaltverherrlichung.
Ich möchte mit meinem Beitrag auch keine Gewalt verherrlichen, die es sicher, wie in allen anderen arabischen und afrikanischen Staaten auch, gegeben hat. Nur mich persönlich stört es, wie sich die westliche Welt als Retter der Welt mit der Tötung Gaddafis aufspielt - einem Land, wo es den Einwohnern im Vergleich zum Rest der Welt sogar viel besser geht, wogegen die echten Menschenrechtsverletzungen in armen Ländern keinen interessieren.
Es geht nur ums Erdöl und um nix anderes. Und das finde ich zum ...
Ich finde interessant, was JETZT schon in Libyen FESTGELEGT wird - und das vor den Wahlen. Meiner Meinung nach ist genau das jetzt Diktatur. Ab sofort wird die Scharia wieder Grundlage jedes Gesetzes sein. Das islamische Bankensystem wird eingeführt und jedes Gesetz, das gegen den Islam und seine Vorstellungen verstößt, ist ab sofort hinfällig. Das bedeutet, dass ab sofort die Männer wieder mehrere Frauen haben dürfen und bei Ehebruch gesteinigt wird.
Ist das nicht irre:
In Afghanistan wird für Frauenrechte gebombt und in Libyen werden die Frauenrechte zerbombt.
Libyen war vor 42 Jahren das ärmste Land Afrikas, Gaddafi hat es zum wohlhabendsten Land Afrikas gemacht. Nun werden die Libyer wieder in König Idris Zeiten zurückversetzt, dessen Flagge die Rebellen schwenken.
Es wurden Kriegsverbrechen nach den Genfer Konventionen begangen. Die Stromversorgung wurde zerbombt, Vorratslager, Telekommunikation, Wasserversorgung. Ja, sogar die Wassertürme auf dem Dach des Krankenhauses wurden zerbombt. Im Irak und Afghanistan wurde auch alles zerbombt und bis heute - 8- 10 Jahre später - nicht wieder aufgebaut. Die irakische Bevölkerung lebt nur mit auf wenige Stunden pro Tag rationiertem Strom. Sie wissen schon gar nicht mehr wie das ist, ununterbrochen Strom zu haben. Sauberes Trinkwasser kennen sie auch nur noch aus ihren Erinnerungen. Nicht zu reden von Bildung und Sozialversicherung.
Das Bildungsniveau war dank eines guten Schulsystems sehr gut in Libyen. Wie gesagt, sie haben eine sehr hohe Quote von Frauen in hohen Ämtern. Menschen mit einer so hohen und unabhängigen Bildung lassen sich nicht mehr die Scharia aufzwingen. Wenn die Rebellen Libyen regieren wollen, müssen sie schon Völkermord begehen. Die Libyer müssen sich jetzt mit Steinzeit-Talibans rumärgern.
Übrigens hatte ich vor ein paar Tagen ein sehr interessantes Gespräch über Gaddafi mit Jugendlichen zwischen 20 und 25 Jahren. Sie haben mich mit ihrem Wissensdurst regelrecht ausgesaugt, aber auch ich habe einige Erkenntnisse bekommen.
Sie fragten mich, was Gaddafi eigentlich gemacht hat, weil sie seinen Namen erst seit diesem Jahr kennen. Sie sagten mir, dass sie im Fernsehen immer hören, dass er Menschenrechte verletzt hat, aber keiner sagt welche, wie und was. Das war für mich schon mal eine Erkenntnis, dass es eigentlich schon beschämenswert ist, wenn keiner sagen kann, was er wirklich gemacht hat.
Ich erzählte ihnen die Dinge aus wikipedia, die er in den 80-er Jahren angeblich gemacht haben soll. Auch in wiki steht, dass er das angeblich gemacht haben soll, aber nicht, dass es nachgewiesen wurde. Z. B. den Anschlag auf die Disko oder Lockerbie, wo das Verfahren wegen gefälschter Aussagen und Dokumenten heute wieder aufgenommen wurde.
Die nächste Erkenntnis kam mir dann, als sie mir sagten, dass das nun schon alles lange her sei. Was hat er jetzt gemacht, dass er JETZT getötet und sein Land überfallen wurde. Da konnte ich dann auch nichts mehr sagen. Ich konnte ja nun nicht auch mit der allgemeinen Aussage kommen, er habe Menschenrechte in seinem Land verletzt.
Warum war in den Medien nichts darüber zu hören, dass Gaddafi das lybische Vermögen aus Frankreich abziehen wollte und deswegen Frankreich die ersten Bomber hingeschickt hat. Man versucht die Banken und den Euro künstlich am Leben zu erhalten, ein Abzug des lybischen Vermögens hätte die desolaten französichen Banken crashen lassen. Frankreich kann dem lybischen Land das Geld wohl nie wieder zurück geben oder als Griechenland-Schuldschein.
Dann wollte Gaddafi für die afrikanische Welt den Gold-Dinar als Währung einführen. Wo da der Dollar geblieben und was die Währung für Öl geworden wär, kann sich sicher jeder ausmalen. Das geht ja auch gar nicht, dass die afrikanische Welt so ein wirtschaftliches Ansehen in der Welt bekommen würde. Er wurde ja von mehr als 200 afrikanischen Königen und Stammesführern zum König der Könige Afrikas gekürt. Gaddafi wollte die Vereinigten Staaten Afrikas schaffen, so ähnlich wie das Vereinigte Europa. Ob das ein anderer nach ihm schaffen kann, bezweifle ich, da Afrika durch die unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Länder doch kein einfacher Kontinent ist.
Ich habe ihnen nur geraten, sich in unabhängigen Quellen zu informieren. Und das sind bestimmt nicht die Zeitungen und das Fernsehen.
Zum Thema Kriegsberichterstattung sagt auch wiki folgendes:
Zitat Darauf zielt auch die Kriegsberichterstattung ab und stellt den Krieg so dar, dass die Moral der eigenen Bevölkerung nicht gefährdet, im Gegenzug aber die gegnerische Moral untergraben wird. Die Regierungen haben erkannt, dass die öffentliche Meinungüber einen Krieg von seiner Darstellung in den Massenmedien abhängt. Dass dabei manipuliert wird, siehe u. a. die Artikel Propaganda, Medienmanipulation. Der amerikanische Senator Hiram Johnson zitierte hierzu 1917 den Tragödiendichter Aischylos: „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“.
Was mich auch beschämt ist die Tatsache, dass sein Tod von einigen Menschen im Netz bejubelt wird. Egal ob es Saddam war, Bin Laden oder nun Gaddafi - das ist Lynchjustiz und Meuchelmord und dass so etwas immer mehr gemacht wird und von den Menschen noch bejubelt wird, ist traurig. Jeder Mensch hat ein Gerichtsverfahren verdient. Auch Gaddafi und seine getöteten Kinder. Wenn wir schon Demokratien sein wollen und in anderen Ländern Demokratien durchsetzen wollen, dann sollten wir auch demokratisch handeln.
Die Familie Gaddafi will jetzt in Den Haag gegen die NATO klagen. Ich finde zurecht, denn Meuchelmord und Lynchjustiz sollten nicht zur Selbstverständlichkeit werden. Und wie man sieht, hat westliches Eingreifen bisher noch keinem Land weitergeholfen - egal ob das nun der Irak oder Afghanistan waren oder nun Libyen, die nun statt Gaddafi die Scharia bekommen und sich mit Steinzeit-Talibans rumärgern müssen.
Also die Bilder, die ich gesehen habe, haben keinen nach Luft ringenden Gaddafi gezeigt. Er konnte sogar noch um Gnade flehen, als dann der Kopfschuss fiel. Sicher führen Bauch- und Kopfschüsse zu einer Lähmung des Atemzentrums. Nur dann ist doch der Schuss die Todesursache, oder? Hätte man ihn ins Herz geschossen, wär die Todesursache wohl "Herzstillstand" gewesen.
Seltsam, dass das Projektil auf wundersame Weise verschwunden ist. Auch dürfte ein direkter Kopfschuss andere Wunden hinterlassen als ein Schrapnell. Ich bezweifle, dass unabhängige Ärzte die Untersuchung vorgenommen haben. Leider.
Vielleicht werden wir die Wahrheit über die Todesursache nie erfahren. Aber nicht nur Gaddafi und seine Söhne sind dem Krieg zum Opfer gefallen, über 50.000 Menschen mussten ihr Leben lassen. Traurig, dass die westliche Welt keine anderen Möglichkeiten hatte, eine Regierung zu stürzen, als mit so einer tödlichen Gewalt.